Interview
(taken from the Anarchoi Zine (Issue Spring/Summer 2002) from Germany)

1. Hallo ihr von Audio Kollaps, danke für dieses Interview. Als erstes gibt’s die Standardfrage nach Bandlebenszeit, Bandmitgliedern und Veröffentlichungen.

Björn: Gegründet haben wir uns im Herbst 1998, Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger haben schon zuvor bei Recharge gespielt, wir haben dann Kai als neuen Sänger verpflichtet. Zwei Jahre später erschien unsere Split 7“ EP mit den schwedischen Wolfbrigade auf Epistrophy Records, Ende 2002 dann unser erstes Album „Ultima Ratio“ als LP und CD.

2. Welche Bands oder welche Musik haben euch beeinflusst und in welchen Bands haben (oder tun es immer noch) einzelne Mitglieder schon gespielt?

Björn: Musikalisch sicherlich Bands wie Discharge und Napalm Death, die eben völlig kompromisslos sind/waren. Unser Schlagzeuger hat zuvor schon in diversen Bands gespielt (Chemical Maze, The Losers), in einigen auch schon mit unserem Bassisten (Anti Job Department, Flodders, Vendetta). Der Rest hat zur Zeit einige Projekte am Laufen.

3. Stört es euch eigentlich das ihr auf Flyern & Plakaten meist mit dem Zusatz „Ex-Recharge“ betitelt werdet? Gibt’s dadurch schon mal Stress in der Band oder ist das ein Teil der Vergangenheit mit dem ihr leben müsst und könnt?

Björn: Nun, das mit dem ex-Recharge wird uns wahrscheinlich immer anhaften, wir machen zwar jetzt etwas andere Mucke, aber die textlichen und einige musikalischen Wurzeln haben natürlich abgefärbt. Recharge ist ein wichtiger Teil unserer Vergangenheit.

Jens: Es nervt insofern dass die Musik, die wir jetzt machen, nur noch in Fragmenten dem Recharge - Style ähnlich ist; die Leute, die sich davon ködern lassen und dann Recharge in grün erwarten werden enttäuscht. AK ist was anderes als Recharge. Letztendlich haben wir darauf aber so gut wie keinen Einfluss, da wir die Ankündigungen nicht machen. Selbst unser Vertrieb besteht aus diesen Hinweis.

4. Am Anfang lässt sich auch für mich nicht die Frage nach Recharge verhindern. Ich hoffe das geht in Ordnung, aber als normaler Fan und kleiner Fanzineschreiberling, kriegt man nicht immer alles mit. – Also wieso haben sich Recharge damals eigentlich aufgelöst? Der Erfolg war nicht zu übersehen und die Musik war doch sehr geil, guter deutscher Crustcore war/ist doch ne Seltenheit. Oder hat der Erfolg zu Unstimmigkeiten in der Band geführt ?

Jens: Die Luft war raus, zwei Leute sind ausgestiegen und Ideen für neue Recharge Songs waren auch einfach nicht mehr vorhanden. D.h. zwei neue Leute „anlernen“, die dann keine eigenen Ideen mehr einbringen konnten, das erschien uns sinnlos.

5.Nun aber zurück zur Gegenwart. Was ihr mit Audio Kollaps spielt, hat doch ziemliche Nähe zu Metal. Ist das ne Weiterentwicklung, die vielleicht auch nötig war um als Band nicht ständig mit Recharge verglichen zu werden? Quasi als musikalische Weiterentwicklung.

Björn: Ja, das stimmt. Wir haben schon früher intensiv Grindcore und Metal Bands gehört, und hatten einfach den Drang, diese Richtungen mit einzubeziehen, um den Gesamtsound noch härter und kompromissloser gestalten zu können.

Jens: Ich habe schon zu Recharge – Zeiten und lange davor solche Mucke gehört und auch gemacht, bzw. „ausgedacht“. Die Gelegenheit war da, und na ja, siehst ja, wie´s jetzt aussieht.

6. Mir fällt des öfteren auf das es immer mehr Bands gibt die auf Szenegrenzen scheißen, bestes Beispiel dafür sind in meinen Augen z.B. auch Bonehouse. Zählt ihr euch auch zu dieser Fraktion von Bordercrossers?

Björn: Würde ich schon sagen, obwohl ja viele dieser Bands aus der Metal Ecke kommen, während wir aus dem Punk Bereich stammen, aber irgendwie ist das ja auch egal, hauptsache Mucke und Message stimmen.

Jens: In jedem Fall. Das war zwar nicht unser primäres Ziel, aber wenn ich mir die Mischung des AK Publikums auf der „Up the Metal Punx“ – Tour angucke und die Reaktionen, muss man die Frage mit „ja“ beantworten.

7. Ihr wart mit Driller Killer, Viu Darkh, Accion Mutante zusammen auf der „Up the MetalPunks“ -Tour. Erzählt mal wie es so war? Es wird ja wohl eine ziemliche Mischung an Zuschauern da gewesen sein, was gab´s da für Erlebnisse? Positive wie Negative. Wie war das Verhältnis zu den anderen Bands während der Tour?

Björn: Die Tour war super, und es hat mit den anderen Bands wirklich Spass gemacht! Bei einigen Gigs war die Metal Fraktion klar in der Überzahl, aber die fanden unsere Mucke auch ok.

Jens: War oberklasse. Klingt komisch, iss aber so.

8. Mich würden die Reaktionen der Metalfans auf euch interessieren, da ihr doch verdammt politische Texte habt. Die meisten Metalfans schimpfen sich aber doch eher unpolitisch (oder rechtsfreundlich) . Da eure Texte aber doch ein großer Bestandteil eurer Musik sind, ist es da als Texter/Musiker nicht deprimierend, wenn man merkt das die Leute überhaupt nicht auf eure Texte achten??

Björn: Wir können dem Publikum natürlich nicht vorschreiben, wie es auf unsere Musik oder Texte reagieren soll. Jeder einzelne sollte selbst wissen, ob er sich mit irgendwas politischem auseinander setzen will oder nicht. Unsere Texte sind sehr persönlich angelegt, so daß vielleicht auch diejenigen was mit anfangen können, die nicht so unbedingt selbst politisch engagiert sind. Unsere Bühnenansagen machen bestimmt schon deutlich, wo bei uns der Hammer hängt, live kann man aber auch ebensogut ausschließlich den Lärmpegel genießen.

Jens: Die Reaktion auf die Mucke war, abgesehen von der jeweiligen Tagesform von uns, im großen und ganzen positiv, wobei man sagen muss, dass unser Gesang ohne Textblatt natürlich nur schwer verständlich ist und die Ultima Ratio ja gerade erst 2-3 Wochen auf dem Markt war. Zur Reaktion auf die Texte lässt sich also nicht so viel sagen glaube ich.

9. Wie kam´s zu der Split mit Wolfbrigade, besteht da eine interkontinentale Freundschaft?

Björn: Wir haben die Schweden einige Male auf ihren Gigs getroffen und haben halt gefragt, ob sie an ner Split Platte interessiert wären. Die Bandmitglieder sind echt nett drauf, aber wegen der Entfernung sieht man sich halt eher seltener.

Jens: Also erst mal liegen Schweden und BRD auf einem Kontinent und zweitens war die Entstehung der Split von WB Seite her sehr durchwachsen. Freundschaft wäre da wohl der falsche Ausdruck. Aber musikalisch und von den Texten her war das ok, die Leute sind halt ganz nett, aber nicht unbedingt zuverlässig.

10. Eure neue LP heißt „Ultima ratio“, übersetzt mal für alle die nicht wissen,(inkl. Mir) was der heißt.

Björn: „Ultima Ratio“ ist latein und heißt: „Das letzte Mittel“.

11. Wie ich mitbekommen habe, gab´s Probleme mit der Druckerei die euer Plattencover drucken sollte. Was konkret war da das Problem, ein zu gewagtes Coverbild, wenn ja was war das vorgesehene Motiv, weil was ich jetzt zu sehen bekomme ist doch „normal“???

Björn: Es ging um das LP Innen – Klappcover. Wir wollten da ein total sickes Bild von ner kürzlich verstorbenen Person im Altersheim draufdrucken lassen. Die Druckerei hat sich aber geweigert, und da das die einzige war, die noch LP Klappcover druckt, hatten wir keine Wahl.

12. Es ist ja eher selten das ne Crustband nur auf deutsch singt, was hat euch veranlasst nicht in Englisch zu singen? Habt ihr bessere Erfahrungen mit deutschen Texten gemacht oder ist auf englisch zu Texten auf Dauer zu anstrengend gewesen?

Björn: Deutsche Texte sind irgendwie persönlicher, auf Englisch lässt sich zwar einiges vielleicht eleganter formulieren, aber es geht doch letztendlich um die Botschaft, die dahintersteht.

13. Was mir auffällt ist, das ich eure Sachen noch bei keinem Mailorder gefunden habe (die neuste Scheibe wird bei Plastic Bomb angeboten. Aber ältere Sachen kann Mensch nur mit Glück auf Konzis kaufen) . Wie kommt das zustande, gerade mit der „Recharge“ Vergangenheit müsste das doch gut klappen, oder nicht?

Björn: Das mit dem Vertrieb läuft jetzt erst so langsam an, das brauch halt erstmal seine Zeit, bis Kontakte geknüpft oder aufgefrischt worden sind. Demnächst sind unsere Sachen hoffentlich flächendeckender erhältlich.

14. Und nun mal zu was ganz anderem. Soweit wie ich weiß ist der Björn noch in der „Plastic Bomb“ involviert. Wie lässt sich das mit der Band vereinbaren? Oder ist seine Mitarbeit da nur begrenzt?

Björn: Ich schreibe dafür halt regelmäßig Band Interviews und Reviews, die Interviews und das Reviewmaterial verwerte ich dann in Tonform auch noch für die Stay Punk Radiosendungen. Zuvor habe ich schon jahrelang mein eigenes Zine gemacht und für´s ZAP geschrieben, mit der Band hat das nix zu tun.

15. Wie kams eigentlich zu der Zusammenarbeit und wie lange macht er das schon? In welchem Teil des Heftes hat er denn seine verCrusteten Finger drin?

Björn: Nach dem Niedergang des ZAP hat der Micha vom Plastic Bomb nachgefragt, ob ich für sein Heft schreiben will. Ich mache ja auch Interviews mit vielen Bands aus dem nicht - crust Bereich, da bin ich für alles offen.

16. Ihr als Band kommt ja aus Hannover, eine „Punkhochburg“. Wie hat´s sich die Szene in der Zeit nach den großen Räumungen(als Reaktion auf die Chaostage) entwickelt?

Björn: Während der Chaos Tage war hier natürlich immer ne Menge los. Danach war aber meist schnell wieder alles vorbei. Ein paar Leute von außerhalb sind hier hängengeblieben, ansonsten sind viele Leute über die Jahre hinweg ausgestiegen, einige sind dazugekommen, so wie das halt auch in anderen Städten der Fall ist. Das mit der „Punkhochburg“ ist schon länger vorbei, das war eher in den frühen 80ern.

Jens: Ich spiel mittlerweile noch in ner zweiten Band (eher punkrockiger bis Nasum – mäßig), und eine Dritte (Death Metal pur) ist in Planung, wir suchen eigentlich nur einen Schlagzeuger der spielen kann und will. Kurz gesagt, mir ist meistens stinklangweilig, weil hier so gut wie nichts mehr los ist, und deshalb spiel ich mir die Finger wund.

17. Wie ist eigentlich eure Einstellung zu dieser art von „Veranstaltung“. Der Nebeneffekt und der Grund wieso ich da nie Auftauchte (Entfernung von Osnabrück zu Hannover ist ja nicht soo viel), ist doch das etliche 100te Punx von außerhalb anreisten und dann wieder verschwanden. Die Leute in Hannover aber dann aber mit den Folgen leben müssen/mussten.

Björn: Das stimmt, aber es war trotzdem irgendwie immer ein Riesenspaß. Es muß halt auch mal was auf der Straße passieren und nicht nur auf großen Festivalgeländen. Klar gibt es immer Bullenstress bis zum Abwinken, aber man trifft auch immer nette Leute.

18. Wo kann man euch als nächstes zusehen bekommen, sprich ich hätte wenn möglich mal ein paar Tourdaten von euch.

Björn: Tourmässig haben wir im Moment noch gar nichts neues geplant, weil einige von uns wegen Maloche o.ä. nicht mehr soviel Zeit haben.

19. Letzte Frage. Was war das letzte Buch das du gelesen hast und welche Musik hast du heute schon gehört?

Björn: Buchmässig gerade „High Fidelity“ von Nick Hornby, musikalisch „Order of the Leech“ von Napalm Death.

Jens: Die „Mondo Medicale“ von Impaled; das letzte Buch war eine Abhandlung deutscher Kolonialgeschichte in Togo von Peter Seebald.

Das Schlusswort gehört euch, also

Cheers und Tassen hoch!